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Zu guter Letzt
05.05.2017
von Nik Pichler
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Zu guter Letzt

Wie die Fiktion eines Films zu meiner Realität wurde...

Es ist schon verrückt, wie das Leben so spielt und vor welche Aufgaben es uns plötzlich stellt. Erst gestern Abend war ich im Kino und sah den Film: „Zu guter Letzt“ mit Shirley Mc Lane in der Hauptrolle. Sie spielt darin eine Frau, die noch zu Lebzeiten ihren Nachruf verfassen will. Deshalb engagiert sie eine Nachrufschreiberin. Damit nimmt ihr letztes Abenteuer seinen Lauf. 

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass nur 12 Stunden später dieser Film meine Realität werden würde. Denn am nächsten Morgen erhielt ich den Anruf eines lieben Freundes, der mir mitteilte, dass seine Frau plötzlich an einem Gehirnschlag verstorben sei. Eine Frau, die mich lange Zeit in meinem Leben begleitet hat und die ich von Herzen mochte. Er bat mich ihren Nachruf zu verfassen.

Schock, Telefonate und Kaffee... 

Nach einer gewissen Schockphase, einigen Telefonaten mit Familie und Freunden begann ich also darüber nachzudenken: Wie war Sie? Wie war die Zeit mit Ihr? Was hinterlässt Sie? Ich rief Bilder aus meinem Gedächtnis ab und begann über die gemeinsamen Erlebnisse zu reflektieren. Das ging nicht ohne Tränen und zahlreichen Tassen Kaffee. Nach einiger Zeit musste ich aber einfach raus aus der Wohnung.

Ich hatte so ein Gefühl, dass ich mich am Karlsplatz zum Brunnen vor die Kirche setzen sollte - reine Bauchentscheidung. Es war ein schöner Tag und dieser Ort hat für mich immer schon die richtige Mischung an Fokussierung und Vielfalt. Dort versuchte ich also nun eine Struktur in meine sehr schnell und flüchtig erscheinenden Gedanken zu bringen. Ich scheiterte, es war irgendwie zu viel und dabei zu oberflächlich.

Warum diese plötzliche Intenstität?

Mir wurde klar, dass ich in die Tiefe der gemeinsamen Erlebnisse gehen musste und ich begann die Augenblicke mit ihr genau zu rekonstruieren. Ich stellte fest, dass mir das gut gelang. Plötzlich konnte ich zahlreiche Begegnungen exakt abrufen. Ich sah ihr Lachen, ihr strahlendes Gesicht, hörte ihre Stimme, wie sie mich mit ihrer Art bei meinem Namen rief und spürte ihre sehr offene Umarmung bei der Begrüßung.
All das war plötzlich sehr intensiv da, aber warum?

Es wurde mir bewusst, dass wir beide bei unseren Begegnungen immer sehr präsent, also im Augenblick waren. Und aufgrund dieser Präsenz haben sich diese Erlebnisse in mir stark verankert. Es sind zahlreiche Momentaufnahmen in einer unglaublichen Vielfalt, die für immer bleiben werden.

Es ist nicht wichtig, wohin wir gehen

Ich habe in meinem Leben schon einige mir sehr wichtige Menschen verloren und es gibt eine buddhistische Weisheit, die mich in diesen Zeiten immer gestützt hat. Sie  besagt: „Es ist nicht wichtig, wohin wir gehen, es ist nur wichtig, wo wir bleiben.“  Wenn wir diesem Gedanken folgen, so ist es, denke ich, essentiell, Augenblicke in voller Intensität zu erleben, ohne Ablenkung, ohne mit den Gedanken beim nächsten Termin, beim nächsten Gespräch oder beim nächsten Arbeitsprozess zu sein. Ich glaube, dass es wichtig ist, Erlebnisse mit seinen Sinnen bewusst wahrzunehmen: zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu schmecken und zu riechen. Einfach im Moment sein.

Ein Augenblick, der für immer bleibt.

Während ich das schreibe, sitze ich hier am Rand des Brunnens direkt am Wasser.  Es ist kein freudiger, aber doch ein schöner Augenblick. Ich sehe über diesen großartigen Platz zur Kirche, ich höre Menschen, die in einer Vielzahl von Sprachen kommunizieren, fühle das Wasser an meinen Füßen, ich rieche unglaublich gute Luft, schmecke meinen nächsten Kaffee und habe gerade eine Augenblick in mir verankert, der für immer bleibt.

 

Diese Fotos zeigen die Karlskirche in Momentaufnahmen und entstanden unmittelbar, nachdem ich den Text verfasst habe.

 

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Nik Pichler

Nik Pichler ist Kommunikationsexperte, Fotograf und Regisseur mit internationalem Background. Gemeinsam mit seinem Team realisiert er Markenauftritte, Unternehmensauftritte, Produktwerbung und Imagewerbung für kleinere, mittlere und große Unternehmen in Österreich bzw. weltweit. Sein Portfolio basiert auf einer wertebezogenen Strategie und umfasst Film, Video, Fotografie, Social Media (Facebook, Linked-In, Instagram, YouTube) sowie Printproduktionen und Webauftritte. Nik Pichler ist bekannt für seine Klarheit in der Beratung, authentische Strategien, außergewöhnliche Ideen und erfolgreiche Umsetzungen. Als Berater unterstützt Nik Pichler Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung.

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