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Wovor hast du Angst? - Zeit für Aufklärung 2.0
03.05.2019
von Nik Pichler
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Wovor hast du Angst? - Zeit für Aufklärung 2.0

Wir haben Angst, aber wovor und ist es uns wirklich bewusst, dass es sich um Angst handelt? Wenn wir um uns, unsere Liebsten, unsere Gesundheit, unseren Wohlstand oder vielleicht auch um unsere Kultur sorgen, erkennen wir dieses unsichere negative Gefühl als das an, was es ist – nämlich Angst? Ich sage: „Nein, wir erkennen die Angst nicht mehr.“ Sie flüstert uns zwar etwas zu, aber wir schauen sie nicht an. Was bleibt, ist ein negatives Gefühl der Unsicherheit, der Unzufriedenheit. Hier beginnt für mich eines der zentralen Probleme unserer Zeit: das Verkennen von Angst.

Das Wesen der Angst ist, dass sie ein auf die Zukunft gerichtetes unsicheres Gefühl vermittelt. Ihre Formulierung ist scharf und die vorhergesehenen Ergebnisse sind fatal. Wenn wir Angst haben, skizzieren wir also ein zukünftiges Worst-Case-Szenario. Wir machen in unserer Vorstellung eine negative Fiktion zur Realität. Damit machen wir die Angst vom Hinweis-Geber zum Herrscher,  und das ist gefährlich.

Dabei sind die Ängste für unsere Entwicklung wichtig. Sie bezeichnen jedoch keine Tatsachen, sie sind nur Hinweis-Geber. Wenn wir also ein Angstgefühl* haben, dann fordert uns dieses Gefühl auf, genau hinzuschauen, tiefer zu blicken, denn das tatsächliche Problem versteckt sich dahinter. Die Angst selbst ist nur die Hinweis-Tafel.

Aber wer von uns nimmt sich die Zeit und blickt hinter individuelle Ängste? Wir betrachten Angst heute mehr als Bedürfnis, das es zu befriedigen gilt.  Das haben wir als Konsumgesellschaft gut gelernt. Und wir befrieden es scheinbar meist, indem wir jenen Menschen bzw. Medien folgen bzw. vertrauen, die dieses Gefühl am lautesten ansprechen. Diese Menschen warnen uns vor einer zukünftigen Bedrohung, sie formulieren scharf und sprechen von fatalen Folgen. Damit verbinden sie sich durch ihre Form der Kommunikation direkt mit unseren Ängsten.  Diese Menschen wissen das, damit kalkulieren sie. Sie versprechen uns, die Angst zu nehmen und provozieren sie jedoch nur. Denn die Angst geht in dieser Verbindung nicht weg, ganz im Gegenteil, sie wird genährt, wächst und ein weiteres Gefühl gesellt sich hinzu, der Hass. Dieser Hass braucht jedoch dann eine Richtung, ein Ziel,  wohin er sich entladen kann.  Diese Menschen wählen eine bestimmte, nicht mächtige Menschengruppe z.B. eine Minderheit als dieses Ziel aus. Sie erklären diese zum Bösen. Ein Kreislauf von Angst, Hass und meist auch Gewalt beginnt.

Grenzen der Menschlichkeit werden kontinuierlich überschritten, bis sie gänzlich fallen und zuvor Undenkbares möglich wird. Der Preis für Macht wird festgesetzt. Diese Menschen wollen nur eines, sie wollen Macht, sie wollen herrschen, sie wollen uns durch Angst beherrschen. Ein Risiko fürchten sie, sie fürchten, dass wir die Grundfunktion der Angst nützen. Denn die Angst fordert uns dazu auf hinzuschauen, zu hinterfragen und anhand von Fakten Klarheit zu schaffen. Diese von Macht besessenen  Menschen müssen jedoch genau das verhindern. Sie müssen verhindern, dass dieser Blick dahinter für uns möglich wird. Es müssen daher Informationen kontrolliert werden, Fakten verändert oder vernichtet werden, Medien und jene Menschen, die kritisch hinterfragen, diskreditiert oder ausgeschaltet werden.  

Aber wie kommen wir da raus? Die Lösung liegt für mich unter anderem in der Idee der Aufklärung. Einer Bewegung, die es bereits vor mehr als 200 Jahren gab. Immanuel Kant erklärte sie 1784 in der Berlinischen Monatsschrift wie folgt: Aufklärung sei der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes ohne fremde Leitung zu bedienen!“

Es ist für uns also an der Zeit genau,  das zu tun. Es ist Zeit,  unser Leben nicht nur zu konsumieren, sondern es ist Zeit für unsere individuelle Mündigkeit.

  1. Akzeptiere, dass das Leben Veränderung ist. Sei hoffnungsvoll, mutig und offen für Neues.
  2. Erkenne deine Ängste anhand der Kriterien: zukünftig, scharf und fatal.
  3. Stell dich deinen Ängsten und löse das Problem, das dahinter steckt.
  4. Sei ein guter Fakten-Checker und prüfe deine Informationsquellen sorgsam.
  5. Wähle und vertraue Menschen, die mit Klarheit, Vision und Weitblick Hoffnung geben.

Auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, nichts verändern zu können, wir können es doch – jeder von uns muss es versuchen,  auch wenn es nur eine Stimme von vielen Millionen ist. Coco Chanel sagte einmal: „Die mutigste Handlung ist immer noch, selbst zu denken und zwar lautstark!“

 Sei mutig und stell dir die Frage: “Wovor hab ich Angst?“

Ich habe für die Bilder zu diesem Blogbeitrag die Mode zweier junger Wiener Designer*innen gewählt, dich ich als Gegenentwurf zum Angstverhalten sehe und als mutige Menschen mit Visionen schätze. Wir brauchen mehr von ihnen: T-Shirt „The slow label“ by Anna Laura Kummer und Hut „Nomade Modern“ by Nuriel und Audrey Molcho.

Shoes by "Hannes Roether"
Pants by "Thom/Krom"
Sunglasses by "KBL Eyewear"
Watch by "Nixon"

 

*Wenn ich in diesem Artikel von Angst spreche, dann schreibe ich über Ängste des täglichen Lebens, keine krankhaften Ängste, Angststörungen bzw. akutes Angstverhalten.

Fotos by Markus Kufner

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Nik Pichler

Nik Pichler ist Kommunikationsexperte, Fotograf und Regisseur mit internationalem Background und steht mit seiner Marke für Offenheit, Mut, Wertschätzung und Stil. Gemeinsam mit seinem Team realisiert er Markenauftritte, Unternehmensauftritte, Produktwerbung und Imagewerbung für kleinere, mittlere und große Unternehmen in Österreich bzw. weltweit. Sein Portfolio basiert auf einer wertebezogenen Strategie und umfasst Film, Video, Fotografie, Social Media (Facebook, LinkedIn, Instagram, YouTube) sowie Printproduktionen und Webauftritte. Nik Pichler ist bekannt für seine Klarheit in der Beratung, authentische Strategien, außergewöhnliche Ideen und erfolgreiche Umsetzungen. Als Berater unterstützt Nik Pichler Menschen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung.

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